Handsäge

Auszubildende und Hobbyschreiner fragen mich täglich, welche Handsägen am Anfang der Ausbildung wirklich notwendig sind.

Ich habe lange darüber nachgedacht und nach reiflicher Überlegung die absolut wichtigsten Handsägen des Tischlers zusammengetragen.

Dabei habe ich alle Erfahrungen aus meiner eigenen Ausbildung und meiner täglichen Arbeit als Berufsschullehrer einfließen lassen.

Auch habe ich versucht einen guten Kompromiss aus Kosten und Nutzen bei der Anschaffung der Handsägen bestmöglich zu berücksichtigen.

Inhaltsverzeichnis

Informationen zur Sägen

Was versteht man unter sägen?

Maschinelles oder händisches Sägen ist ein spanendes Verfahren zum Schlitzen und Trennen. Es wird Material in Form von Sägespänen mit einem vielzahnigen Werkzeug abgetragen. Man unterscheidet dabei Hub- und Bügelsägen, Bandsägen und Kreissägen.

Was ist ein Sägeblatt?

Sägeblätter trenne mit Ihren Zähnen durch eine gerade oder kreisförmige Bewegung den Werkstoff. Es entstehen Sägespäne und die Trennfuge, die den Werkstoff teilt.

Geschränkte Zähne ermöglichen ein Freischneiden und verhindern die Rückschlagsgefahr. Zum Schränken von Handsägeblättern empfehle ich eine Schränkzange.

Was versteht man unter Zahnteilung?

Zahnteilung beschreibt die Anzahl der Zähne pro Zoll (ZpZ), wobei 1 Zoll 25,4 mm ist.

Man unterscheidet konstante und variable Zahnteilung.

Detaillierte Infos zur Zahnteilung

Warum muss sich das Sägeblatt freischneiden?

Damit die Säge nicht klemmt, eine höhere Vorschubgeschwindkeit erreicht wir und die Rüschlagsgefahr bei Sägemaschinen minimiert wird.

Folglich haben Kreissägeblätter breitere Zähne als der Sägeblattgrundkörper und Spaltkeile die ein Klemmen des Werkstücks verhindern.

Handsägen sind geschränkt und die Zahnstellung auf Stoß.

Welche Handsägen für Holzbearbeitung?

Wir unterscheiden Handsägen, elektrische Sägen und stationäre Sägen.

Handsägen:

Elektrische Sägen:

Stationäre Sägen:

Welche Bauteile hat eine Gestellsäge?

Gestellsägen (Absetzsäge, Schlitzsäge und Schweifsäge) haben diese Bauteile:

  • Sägenarm
  • Steg
  • Griff oder Hörnchen
  • Spanndraht
  • Sägeblatt
  • Spannschraube mit Flügelmutter
  • Angel

Informationen zu Handsägen

Während der Ausbildung spielt das Herstellen von Holzverbindungen mit Handsägen eine sehr wichtige Rolle. Damit sollen die Schüler den Umgang mit dem Werkstoff Holz lernen.

Werden zunächst Weichhölzer wie Fichte und Kiefer mit Handsägen bearbeitet, folgen im nächsten Schritt einheimische Harthölzer wie Eiche, Ahorn oder Buche.

Bei der Herstellung von Holzverbindungen wie der „Offenen Zinkung“ oder der „Schlitz- und Zapfenverbindung“ ist das Sägen auf „halben Riss“ mit der Handsäge eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Verbindung danach perfekt passt.

Handsägen

Schlitzsäge und Absetzsäge

Zunächst lernen Schüler das korrekte Sägen mit der Schlitzsäge für Sägeschnitte in Faserrichtung und der Absetzsäge für Sägeschnitte quer zur Faserrichtung.

Diese Handsägen sind die „klassischen deutschen Sägen“. Sie werden auf Grund Ihrer Bauform auch als „gespannte Sägen“ bezeichnet. Die Schlitzsäge und die Absetzsäge arbeiten immer auf Stoß. Durch das relativ starke Sägeblatt und das Arbeiten auf Stoß entsteht bei diesen Handsägen ein breiter und relativ rauer Sägeschnitt.

Doszuki Handsäge

Allerdings findet man heute auch immer häufiger Japansägen in den Schreinereien. Die bekannteste japanische Handsäge ist sicherlich die Dozuki. Diese Japansäge erlaubt äußerst präzise und feine Schnitte quer zur Faserrichtung. Allerdings ist diese Handsäge durch die Rückenverstärkung in der Sägetiefe begrenzt.

Ich empfehle die Dozuki Handsäge für Sägeschnitte quer zur Faser und zur Herstellung von Zinkenverbindungen.

Kataba Handsäge

Eine andere japanische Handsäge ist die Kataba. Mit der robusten Kataba können tiefe Schnitte z.B. für eine Schlitz- und Zapfenverbindung optimal hergestellt werden. 

Die Kataba verfügt über keine Rückenverstärkung, was diese Handsäge etwas schwieriger zum Führen macht. Die gröbere Verzahnung arbeitetet sich jedoch spielerisch durch das Holz und ermöglicht exakte und gerade Schnitte.

Ich empfehle die Kataba Handsäge für Sägeschnitte längs zur Faser und zur Herstellung von Schlitz- und Zapfenverbindungen.

Ryoba Handsäge

Die Ryoba Handsäge ist eine japanische Handsäge mit einem doppelseitig verzahnten Sägeblatt. Mit der Ryoba können sowohl Schnitte längs zur Faser und quer zur Faser ausgeführt werden. 

Sicherlich ist die japanische Ryoba der Alleskönner unter den Sägen. Da die Säge jedoch keine Rückenverstärkung hat, braucht es doch etwas Übung mit Ihr perfekte Ergebnisse zu erzielen.

Ich empfehle die Ryoba Handsäge für Sägeschnitte längs und quer zur Faser als „Allroundsäge“ für die gesamte Schreinerausbildung.

Fazit

Jedem interessierten Auszubildenden und ernsthaftem Holzwerker kann ich japanische Handsägen nur wärmstens empfehlen. Ich habe über die Jahre mit Japansägen durchwegs beste Erfahrungen sammeln dürfen. Die Investition in die Kombination Dozuki und Kataba oder auch eine einzelne Ryoba zahlen sich sofort aus.

Die Sägeergebnisse werden durch die dünneren Sägeblätter wesentlich feiner und genauer. Ein sägen auf dem „halben Riss“ ist so mit etwas Übung problemlos möglich.

Die Herstellung von allen gängigen Holzverbindungen gelingt mit diesen Sägen einfach besser als mit Absetzsäge oder Schlitzsäge. Diese Handsägen machen einfach Spaß und motivieren für größere Projekte.

Mit welchen Handsägen arbeitest du am liebsten? Welche Erfahrungen hast du mit japanischen Handsägen gemacht? Wie erreichst du die besten Ergebnisse?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Simon

    Hallo. Besten Dank für den Bericht! Bin zwar Elektroniker von Beruf, das Holzwerken macht mir aber in meiner Freizeit umso mehr Spass.
    Mir gefallen die Kataba-Sägen ganz generell sehr gut. Die Freihandschnitte werden langsam aber sicher einigermassen gerade. Die Ryoba gefällt mir je länger je besser. Habe unterdessen den Dreh raus, ganze Bretter exakt zuzusägen. Der Schnitt ist dabei sehr fein. Also schweisstreibend aber lohnend. 😉
    Die Dozuki finde ich persönlich nicht so ideal. Dies mag an dem langen Blatt liegen welches ich verwende. Bei der feinen Bezahnung habe ich es tatsächlich schon geschafft, Zähne abzubrechen. Für feine Zinken nehme ich daher gerne die gute alte PUK-Säge (sorry) vom Werkzeugbrett.

    Tatsächlich liegt aber in meinem Hobbyraum noch immer eine kaum benutzte Gestellsäge rum. Diese hat im deutschsprachigen Raum wohl die längere Tradition. Was ich mir nicht antun will im Moment ist, die Sägeblätter selbst zu schärfen. Deshalb werde ich mir vermutlich als Experiment japanische Sägeblätter für die Gestellsäge zulegen und sehen was passiert 🙂 Bei einem Erfolgserlebnis lerne ich auch gerne die Sägeblätter schärfen – genau wie ich dies bei den Stechbeiteln schon musste.

    Für die ebenso viel gepriesenen amerikanischen Sägen welche auf Stoss funktionieren, kann ich mein Herz nicht so erwärmen. Ebenso geht es mir mit dem klassischen Fuchsschwanz. Zu oft verklemmen mir diese Sägen – vielleicht müssten sie mehr geschränkt werden oder mir fehlt die Übung. Tatsächlich ist mir der Schnitt aber so schon zu grob. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist das Gewicht!

    1. zinkenundzapfen

      Servus Simon, vielen vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

      Ich kann dir eigentlich in allen Punkten nur zustimmen.

      Man merkt auf alle Fälle, dass du dich richtig gut auskennst! Wünsche dir viel Erfolg und Freunde bei deinen Projekten.

      Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar