Zinkung herstellen

In diesem Blogartikel bekommst du umfangreiche Informationen zu Zinkenverbindungen.

Du lernst eine offene Zinkung mit der Zinkenformel zu berechnen, um danach die Zinkenverbindung fachgerecht und sauber mit einer detaillierten Schritt für Schritt Anleitung herstellen zu können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schwalbenschwanzverbindung?

Die offene Zinkung, halbverdeckte Zinkung, schräge Zinkung und der Einzinker sind Schwalbenschwanzverbindungen.

Diese Schwalbenschwanzzinken sind eine mehrfach keilförmig verzahnte Eckverbindung aus Holz.

Der Schwalbenschwanz ist auf Zug belastbar, hoch dekorativ und ermöglicht das Arbeiten des Holzes (Quellen und Schwinden).

Warum eine Schwalbenschwanzverbindung?

Die offene Zinkung, halbverdeckte Zinkung, schräge Zinkung und der Einzinker sind Schwalbenschwanzverbindungen.

Diese Schwalbenschwanzzinken sind eine mehrfach keilförmig verzahnte Eckverbindung aus Holz.

Der Schwalbenschwanz ist auf Zug belastbar, hoch dekorativ und ermöglicht das Arbeiten des Holzes (Quellen und Schwinden).

Wie eine Schwalbenschwanzverbindung herstellen?

Klassisch mit Handwerkzeugen wie Gestellsägen, Japansägen und Stemmeisen. Maschinell mit OberfräsenZinkenfräsgerät und Zinkenschablone.

Welche Schwalbenschwanzverbindungen gibt es?

Was sind Bauernzinken?

Eine ausgeführte Zinkung mit 3 Schwalben, obwohl nach Formel 6 Schwalben nötig wären. Dies wurde als Zeitersparnis und Arbeitserleichterung oft bei alten Bauernmöbel gemacht.

Wie berechnet man Schwalbenschwänze?

Mit der Zinkenformel werden die Zinken, Schwalben und die Anzahl der Teile berechnet.

Anzahl der Schwalben = Holzbreite / (1,5 x Holzstärke)
Anzahl der Schwalben = 100 mm / (1,5 x 20 mm)
Anzahl der Schwalben = 3,33 ~ 3

Anzahl der Teile = (Schwalben x 3) + 1
Anzahl der Teile = (3 x 3) + 1
Anzahl der Teile = 10

  • Die Anzahl der Teile ist immer um 1 größer als das 3er Einmaleins (4, 7, 10, 14, 16 …)
  • Bei der Berechnung der Schwalben stets abrunden (3,3 = 3 Schwalben, 6,8 = 6 Schwalben)

Probe:
(Schwalbe = 2 Teile, Zinken = 1 Teil)
3 Schwalben*2 + 4 Zinken*1 = 10 Teile

Wie geht eine regelmäßige Zinkeneinteilung?

Die regelmäßige Zinkeneinteilung erfolgt durch Berechnung mit der Zinkenformel.

Was ist das Zinkenverhältnis?

  • 1 : 6 (9,5°) für Weichholz
  • 1 : 7 (8,1°) für Hartholz

Die Zinkenschmiege ermöglicht ein schnelles Anreißen.

Wie Zinkung maschinell herstellen?

  • Zinkenverbindungen lassen sich in Verbindung mit Oberfräse und Zinkenfräsgerät, oder Zinkenschablone herstellen.
  • Fingerzinkung ist sehr gut mit Fräsern herzustellen.
  • Minizinken als Verleimhilfe in Volholz.

Was ist ein Schwalbenschwanz im Handwerk?

  • Die Schwalben erinnern an den Schwanz einer Schwalbe.
  • Schwalbenschwanz und Zinken ergeben eine auf Zug belastbare Zinkenverbindung.

Höre was der Meister spricht, belaste ja die Schwalben nicht. Der Fachmann wählt die Zinken aus, denn diese halten lasten aus.

Welche anderen Holzverbindungen gibt es?

  • Schlitz- und Zapfenverbindung
  • Schlitz- und Zapfenverbindung mit Nut/Falz oder auf Gehrung
  • Doppelzapfenverbindung
  • Gratleiste
  • Überblattung, Kreuzüerblattung, Ecküberblattung
  • Gestemmte Zapfenverbindung
  • Stegverbindung mit Keil
  • Gestemmte Hirnleiste
  • Nagelverbindungen
  • Schraubenverbindungen
  • Dübelverbindungen
  • Lamelloverbindungen
  • Gespundete Verbindungen

Zinkung berechnen

Schwalbenschwanzzinkung berechnen

Bevor wir mit dem anreißen der Schwalbenschwanzzinkung beginnen, müssen wir uns mit der Zinkenformel berechnen wie viele Zinken und Schwalben unsere Verbindung später haben muss.

Ausschlaggebend dafür sind immer die Holzbreite und die Holzstärke. Dies ist auffallend praktisch, da die Zinkenformel so für alle Materialbreiten und Stärken möglich ist. Mit der Zinkenformel berechnen wir die klassische Zinkeneinteilung im Seitenverhältnis 1:6 – 1:7.

Das Ergebnis der Zinkenformel steht aber gewiss nicht in Stein gemeißelt. So kann z.B. aus optischen Gesichtspunkten oder aus Gründen der Zeitersparnis von der Berechnung abgewichen werden.

Die Schreiner früherer Zeiten haben beispielsweise oft Schubkästen mit nur 2 Schwalben angefertigt, obwohl die Zinkenformel 5 Schwalben ergeben hätte. Als Folge dessen konnten die Schreiner sicherlich sehr viel Arbeitszeit sparen.

Diese Zinkenverbindungen, die man heute oft bei älteren Vollholzmöbeln findet, sind landläufig als sogenannte „Bauernzinken“ bekannt.

Schwalbenschwanz berechnen mit der Zinkenformel

Anzahl der Schwalben = Holzbreite / (1,5 x Holzstärke)
Anzahl der Schwalben = 50 mm / (1,5 x 24 mm)
Anzahl der Schwalben = 1,34 ~ 1

Anzahl der Teile = (Schwalben x 3) + 1
Anzahl der Teile = (1 x 3) + 1
Anzahl der Teile = 4

Probe:
(Schwalbe = 2 Teile, Zinken = 1 Teil)
1 Schwalben*2 + 2 Zinken*1 = 4 Teile)

Wir wissen nach der Berechnung mit der Zinkenformel, dass wir unsere Brettbreite in 4 gleiche Teile einteilen müssen und die Zinkenverbindung aus 1 Schwalbe und 2 Zinken bestehen werden.

Die klassische Eckverbindung aus der Brettbauweise spielt auch heute noch eine enorm wichtige Rolle in der Schreinerausbildung. Im Berufsgrundschuljahr, bei der Zwischenprüfung im 2. Lehrjahr oder bei der Gesellenprüfung (klassischer Schubkasten) kommt weiterhin die „offene Zinkung“ zum Einsatz.

Dies hat den Hintergrund, da bei dieser Verbindung die sorgfältige und akkurate Arbeitsweise des Schreiners mit Handwerkszeugen hervorragend beurteilt werden kann. Es erfordert eine Menge Geschick, Durchhaltevermögen und eine exakte Herangehensweise, um die offene Zinkung fachgerecht herzustellen.

Dies liegt insbesondere daran, dass die Eckverbindung aus Zinken und Schwalben das „Arbeiten des Holzes“ optimal ermöglicht. Die formschlüssige Verbindung ist darüber hinaus auch auf Zug belastbar z.B. das Schubkastenvorderstück (Zinkenstück).

Zinken und Schwalben offene Zinkenverbindung

Zinkung anreißen

Holzauswahl bei der Zinkung

Die Hölzer werden so mit dem Schreinerdreieck zusammengezeichnet, dass die „rechte Seite“, die Kernseite des Bretts nach außen zeigt. Dies hat den Hintergrund, damit beim „Arbeiten des Holzes“ die Brüstungsfugen an der Zinkenverbindung dauerhaft dicht bleiben.

Das Schreinerdreieck, ebenso bekannt als Ordnungszeichen, zeigt uns genau an, wie unsere Hölzer ausgearbeitet werden müssen. Es verhindert gleichwohl Fehler bei der späteren Ausarbeitung. Das Schreinerdreieck ist stets die Erste Markierung auf unseren Hölzern. Es wird mit einem spitzen Bleistift und dem Schreinerwinkel angerissen und erst nach dem Verleimen wieder abgeschliffen.

Wir fertigen in diesem Beispiel ein linkes oberes Eck. Dabei ist das linke Brett das Zinkenstück und das obere Brett das spätere Schwalbenstück. In diesem Zusammenhang spricht man auch davon, dass das Zinkenstück „durch geht“.

Offene Zinken Zinkung anreißen

Einfache Holzstärke anreißen

Es wird mit dem Streichmaß die „einfache Holzstärke (20 mm) + 1 mm“ an beiden Hölzern sauber ringsherum angerissen. Dabei mit dem Streichmaß nicht übermäßig Druck ausüben, da alle Risse am Ende wieder herausgeschliffen werden und dies „quer zur Faser“ zeitintensiv und nur mit einem hohen Materialabtrag möglich ist.

Die Zugabe von 1 mm sorgt dafür, dass die Verbindung nach dem Verleimen beidseitig leicht übersteht. Dies erleichtert uns das Verputzen mit dem Putzhobel enorm, da nur das überstehende Hirnholz bestoßen wird.

Am Zinkenstück die halbe Holzstärke anreißen

Mit dem Streichmaß die halbe Holzstärke (10 mm) am Hirnholz des Zinkenstücks anreißen. Dabei das Brett am Besten in die Hinterzange einspannen, um mit beiden Händen das Streichmaß sicher zu führen.

Einspannen der Bretter in der Hobelbank

Das Zinkenstück unter Beachtung des Schreinerdreiecks in die Hinterzange eingespannt. Das Schwalbenstück wird bündig danebengelegt.

Zinkenverbindung Offene Zinkung Risse überwinkeln

Anreißen der einfachen und doppelten Holzstärke am Schwalbenstück

Am Schwalbenstück mit Hilfe der Diagonale die Brettbreite in 10 gleiche Abschnitte eingeteilt. Dabei ist 1 Teil z.B. 15 mm und die Diagonale bei 10 Teilen als 150 mm lang.

Diagnale anzeichnen

Am Schwalbenstück mit Hilfe der Diagonale die Brettbreite in 10 gleiche Abschnitte eingeteilt. Dabei ist 1 Teil z.B. 15 mm und die Diagonale bei 10 Teilen als 150 mm lang.

Zinkung Diagonale anreißen offene Zinkung Zinkenverbindung Schwalbenschwanzzinkung

Schwalbenschwanz Teilungsrisse übertragen

Jetzt werden die 10 Teile auf die halbe Holzstärke am Zinkenteil und die doppelte Holzstärke am Schwalbenteil angerissen.

Dabei besteht jede Schwalbe aus 3 Rissen!

Es wird der 1. Riss oben am Zinkenstück, der 2. Riss unten am Schwalbenstück und der 3. Riss wieder oben am Zinkenstück angezeichnet.

 

Zinkung Diagonale anreißen offene Zinkung Zinkenverbindung Schwalbenschwanzzinkung

Es werden die Risse am Zinkenstück und Schwalbenstück verbunden. Es entstehen Schwalben und Zinken. Die Schwalben werden sofort mit dem Kreuz für den Abfallbereich gekennzeichnet, da diese zuerst ausgearbeitet werden.

Risse am Schwalbenschwanz überwinkeln

Es werden die Risse am Zinkenstück beidseitig nach unten überwinkelt und die Abfallbereiche mit einem Kreuz gekennzeichnet.

Zinken einsägen

Zinken mit der Japansäge auf „halben Riss“ einsägen. Nach dem Sägeschnitt ist im Optimalfall der halbe Bleistiftriss weiterhin zu sehen und der andere Bleistiftriss weggesägt sein.

Als Rechtshänder am besten stets rechts vom Riss im Abfallbereich sägen. Ein Drehen des Zinkenstücks ermöglicht es, immer rechtsseitig vom Riss im Abfallbereich zu sägen.

Mit der japanischen Säge möglichst geradlinig nach unten sägen. Für diese Arbeit eignen sich japanische Sägen wie „Dozuki“ oder „Ryoba“ besonders gut. Da Japansägen, anders als die klassische deutsche Absetzsäge „auf Zug“ arbeiten, haben japanische Sägen ein ungewöhnlich schmales Sägeblatt für einen äußerst feinen Sägeschnitt.

Zinken ausstemmen

Nach dem einsägen die Zinken vollständig mit Stechbeitel und Klüpfel (Holzhammer) ausstemmen.

Dabei dient eine aufgespannte Leiste als Hilfsanschlag, der ein
Verrutschen unter den Riss verhindert. Die Zinken werden grundsätzlich
immer von zwei Seiten ausgestemmt.

Zinken Zinkung ausstemmen mit Stmmeisen

Es empfiehlt sich zunächst nur eine feine Kerbe auszustemmen. Dadurch
liegt der Abfallbereich auch nach dem Umdrehen des Bretts satt auf und
federt während der Bearbeitung nicht.

Das Zinkenstück muss bei diesem Arbeitsschritt vollständig und sauber ausgearbeitet werden.

Zinken ausstemmen mit Stemmeisen

Schwalbenstück anzeichnen

Es werden die Schwalben auf Grundlage der Zinken angezeichnet. Dabei wird das fertige Zinkenstück auf das Schwalbenstück gestellt und die Schwalben mit dem Bleistift angezeichnet. Dabei unbedingt das Dreieckszeichen beachten!

Diese Risse werden nun mit dem Schreinerwinkel auf das Hirnholz übertragen. Zum besseren Aussägen, werden die diagonalen Risse mit der Schmiege auf die andere Brettseite übertragen.

 

Zinken Zinkung Offene Zinkung Schwalbenschwanzzinkung Holzverbindung übertragen

Die Schwalben werden nun ebenfalls auf „halben Riss“ ausgesägt und mit dem Stechbeitel wie oben ausgearbeitet. Ich empfehle für ein leichteres Ausarbeiten der Schwalben ein Stemmeisen mit 4 mm Breite.

Schwalbenschwanzverbindung zusammenstekcken

Nach dem Ausarbeiten beider Teile können wir unsere Schwalbenschwanzverbindung zusammenstecken. Geht es nicht sofort zusammen, muss die Verbindung mit dem Stemmeisen leicht nachgearbeitet werden.

Schwalbenschwanz verleimen und verputzen

Jetzt wir unsere offene Zinkenverbindung endlich vorsichtig zusammengeklopft und die Passung kontrolliert. Für den Fall, dass es nicht sofort funktioniert, die Verbindung etwas nacharbeiten. Anschließen die Zinkung verleimen und mit dem Putzhobel verputzen.

Fazit

Ich hoffe ich kann dir mit dieser Anleitung zur Berechnung und Herstellung der Schwalbenschwanzzinkung etwas helfen!

Über deine Fragen und Rückmeldungen in den Kommentaren freue ich mich sehr.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Dario_P137

    Hallo Christoph,
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich werde die von dir genannte Vorgehensweise in den nächsten Tagen ausprobieren und dich über Instagram über das Ergebnis informieren.

    1. zinkenundzapfen

      Vielen Dank für das positive Feedback. Wünsche dir gutes Gelingen und viel Freude bei der Herstellung!

  2. Pedder

    “Da Japansägen, anders als die klassische deutsche Absetzsäge „auf Zug“ arbeiten, haben japanische Sägen ein ungewöhnlich schmales Sägeblatt für einen äußerst feinen Sägeschnitt.”

    Das wird nicht richtiger, wenn man es 500 mal schreibt.

    1. ist eine Japansäge gar nicht wesentlich dünner als eine Gestellsäge.
    2. kann man auch eine Gestellsäge ziehen.

    Japansägen sind besser und vor allem feiner bezahnt. Das ist alles.
    Deshalb sägen sie besser.
    Geht auch auf stoß. Mit einer gut bezahnten Feinsäge oder Dovetail.

    liebe Grüße
    Pedder

    1. zinkenundzapfen

      Lieber Pedder, vielen Dank für deinen Kommentar!

      Bedingt durch das auf Zug sägen, können die Sägeblätter dünner sein, da sie weniger belastet werden als auf Stoß bei Gestellsägen (bedingt durch die Konstruktion). Gestellsägen kann man auch ziehen, grundsätzlich ist die Bearbeitung aber auf Stoß.

      Feinsägen sind auch eine super Möglichkeit für Verbindungen!

      Ich denke jeder hat so eine Heransgehensweise und bekanntlich führen viele Wege nach Rom.
      Wünsche dir viel Spaß und Freude bei deinen Projekten 🙂

  3. Pedder

    Bedingt durch das auf Zug sägen, können die Sägeblätter dünner sein, da sie weniger belastet werden als auf Stoß bei Gestellsägen (bedingt durch die Konstruktion). Gestellsägen kann man auch ziehen, grundsätzlich ist die Bearbeitung aber auf Stoß.

    Das ist leider nicht richtig. Bei Gestellsäge wird das Blatt ebene nicht von hinten durch das Holz geschoben, sondern am Gestell durch das Holz gezogen. Egal, ob man von sich weg oder zu sich hin zieht. Technisch kein Unterschied.

    Ähnlich ist es bei allen Rückensägen. Deshalb haben diese auch ähnlich dünne blääter, wie Japansägen. (0,3-0,6mm) Nur Fuchsschwänze werden tatsächlich geschoben. Und nur diese haben deutlich dickere Blätter.

    Liebe Grüße
    Pedder

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